“tezere” – was ist das?

Eine Einladung zu erhalten, ist etwas Schönes. Wenn man sich aber gar nicht richtig vorstellen kann, was dort vor sich geht, dann ist es am besten, man geht einfach mal hin und schaut sich das Ganze an. So machte ich es jedenfalls…..

Suresh und ich hatten uns bei einer wundervollen Tanzveranstaltung, zu der uns der indische Honorarkonsul eingeladen hatte, kennen gelernt. Schnell kamen wir ins Gespräch. Er fragte mich nämlich nach meiner Kleidung. Ich trug indische Kleidung, einen Shalwar Kameez. Suresh benutzte zwar einen anderen Namen dafür, ich kenne es allerdings unter diesem Namen, wobei die Schreibweise auch anders sein kann. Vielleicht nannte er den Namen auch in einer anderen Sprache. Auf jeden Fall handelt es sich dabei um eine luftige, weit geschnittene Hose,  eine Art Kleid darüber und einen langen Schal.

Diesen Shalwar Kameez hatte ich in Santiniketan, der Stadt einer meiner Lieblingsdichter, Rabindranath Thakur (Tagore) erstanden. Er ist handgearbeitet und auch von Hand bestickt. Ein Kleidungsstück, das man nicht sehr häufig in unseren Breitengraden sieht. Ich bin sehr stolz darauf und liebe es.

Demzufolge erzählte ich Suresh eine kleine Geschichte über Santiniketan. Nach einer kleinen Weile meinte er, ob ich nicht Lust hätte, diese Geschichte aufzuschreiben. Lachend fragte ich ihn, wer sich denn dafür interessieren würde. Immer wieder hatte ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass kaum jemand etwas von Tagore wusste, geschweige denn von Santiniketan, obwohl meine Eindrücke davon faszinierend sind. Also: Wer würde sich plötzlich dafür interessieren?

So kamen wir auf „tezere“ zu sprechen. Das Wort klingt nett, dachte ich, bekam aber erst später die richtige Bedeutung erklärt: Abkürzung für Tee-Zeremonie. Dass sich dabei Menschen treffen, die gerne erzählen und schreiben, was sie erlebt , gesehen, gedacht oder gefühlt haben, erfuhr ich später, bei einem Cappuccino in der Ludwigsburger Innenstadt. Dort haben wir uns zum zweiten Mal gesehen und gesprochen.

Daraufhin begann ich, mein eigenes „tez“ zu machen, denn:  t rotz e rheblichen Z eitmangels, schrieb ich eine Geschichte, die „Ganz normale, aber beachtenswerte Frau“, die euch ein klein wenig von mir und meiner Arbeit zeigen  sollte, um mich damit etwas vorzustellen. Gleichzeitig beschloss ich, nachdem ich auf dem neuen Blog der „tezere“ die Beschreibung der vorhergehenden Teezeremonie gelesen hatte, übrigens sehr schön von Andelka verfasst, am Sonntag in die leere Wohnung von Silvia zu kommen, ohne auch nur eine/einen von euch zu kennen, mit Ausnahme von Suresh.

Ich war 20 Minuten zu früh in der Klopstockstraße und wartete. Es war sehr heiß an diesem Nachmittag und ich beobachtete die wenigen Vorübergehenden, ob einer von ihnen in Richtung Haustür abbiegen würde. Niemand tat es. Deshalb wartete ich weiter und ging pünktlich, um 2 Minuten vor 4 Uhr zur Haustürklingel. Ich liebe Pünktlichkeit, aber zu früh mag  ich nicht erscheinen.

Mit einem Klappstuhl, den ich von einer Freundin ausgeliehen hatte, dem Essen, das ich für Suresh aus einem kleinen indischen Geschäft in Ludwigsburg abgeholt hatte, den Nussecken, die mein Beitrag für ein Multi-Kulti-Essen sein sollten und nicht zuletzt meiner „Buchtasche“ , begann ich den Treppen-Aufstieg in die gefühlte 40. Etage des Hauses. Schon nach kurzer Zeit kam mir nicht nur eine hübsche, sondern auch sehr sportliche, aber etwas aufgeregt wirkende junge Frau entgegen, die mir ganz flott den Stuhl und eine Tasche abnahm und ebenso schnell wie sie die Treppen herunter gekommen war, auch wieder hinauf eilte. „Erleichtert“ kam ich oben an und wurde von lauter sehr netten Menschen begrüßt. Ich war nicht der erste Gast. Hätte ich geahnt, dass ich direkt hinter Suresh’s Auto geparkt hatte, wäre ich auch schon früher erschienen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Es kamen nur nette Menschen! Der Nachmittag verging wie im Fluge. Die von jedem Gast aufgestellte Kerze verriet uns nicht nur, dass 3 Sternkreiszeichen in dieser Runde gar nicht vertreten waren, dafür aber andere doppelt oder sogar dreifach, sondern sie erhöhten auch die Gradzahl der voreingestellten Sonnenheizung. Es war gut, dass ab und an ein winziger Luftzug durch die geöffneten Fenster kam und die heiße Luft mitnahm.

Die mitgebrachten türkischen, spanischen, indischen und deutschen Speisen waren lecker, lecker, lecker, nur leider viel zu viel. Jede/r hatte es gut gemeint und wirklich ausreichend mitgebracht. Bei der Teezubereitung hätte  ich gerne zugeschaut. Warum ich es nicht getan habe, weiß ich leider nicht, aber ich vermute, es war eines der angenehmen Gespräche, das ich nicht unterbrechen wollte. Der Tee war jedenfalls großartig und hat dem Namen dieser Runde alle Ehre gemacht: Tee-Zeremonie!

3 Stunden sollte die Zusammenkunft in etwa dauern. Als ich allerdings die Zeit fand auf die Uhr zu schauen, war es bereits wesentlich länger. Aber ich bereute keine Minute, denn die Kriegserinnerungen von Andelka, die sie als Kind erlebt, als Geschichte niedergeschrieben und nun vorgelesen hatte, löste viele Gedanken und Überlegungen in mir aus. Eine Geschichte zum Nachdenken.

Als Regina vorlas, verspürte ich zunächst die Lust, zu schmunzeln. Leider blieb es nicht dabei, denn noch heute fühle ich die Muskeln, die ständig meine Mundwinkel nach oben zogen und sie dort auch hielten. Ein anstrengendes Unterfangen für die Muskeln. Anscheinend sind meine Lachmuskeln nicht gut trainiert…. Eine Geschichte, die mich sehr an mich selbst erinnert hat, obwohl ich bei meinen Suchen nach verlegten Gegenständen gar nicht lachen kann.

Während Irina ihre Geschichte von der mäuserettenden Katze vorlas, stellte ich mir immer unsere „Mienz“ vor, die genau das Gegenteil dieses, so ganz anderen Exemplares ist und absolut keine Gnade mit Mäusen kennt, es sei denn, es sind Spitzmäuse. Allerdings gefiel mir das Umdenken, denn löst man sich von dem Gedanken an Katz‘ und Maus, so fällt mir vieles ein, das man an diese Stelle setzen könnte, es geht doch eigentlich „nur“ um Freund- und/oder Feindschaft.

Dass euch der Prolog meines Buches „Mein Wunscherbe“ gut gefallen hat, freut mich sehr und ich danke fürs Zuhören, fürs Teilnehmen, fürs Anteil nehmen, für die Gedanken, dir ihr euch gemacht habt, für die Gespräche, die daraus resultierten, für euer Interesse.

Alles in allem möchte ich euch ebenso für den schönen Nachmittag danken, der mir viel Freude bereitet hat und ich nehme an, dass es allen so gegangen ist. Ich freue mich schon heute auf eine nächste Teezeremonie „tezere“, die heute für mich bedeutet:

T rotz

E rheblichen

Z eitmangels

E ine

R ichtige

E ntscheidung!

Liebe Grüße, Dietlinde

5 Responses to “tezere” – was ist das?

  1. DiHa says:

    Ich denke, dass die Hauptsache ist, nicht die Beiträge der einzelnen Schreiber miteinander zu vergleichen oder gar zu bewerten. Einfach “nur” lesen und auf sich wirken lassen. Schön wäre es, wenn anschließend die Eindrücke, bzw. die beim Lesen aufgekommene Stimmung und eine eventuelle Quintessenz kommentiert würde. JEDE Geschichte hat etwas und sagt etwas aus, auch dann, wenn diese stilistisch nicht einwandfrei geschrieben wurde, viele Fehler enthält oder dergleichen mehr. Das ist unwichtig, sofern die Geschichte noch erkannt wird…..
    Also: Schreibt!
    ;-)

  2. suresh says:

    … Unsere “Tezere” ist womöglich eine Plattform für Geschichten, die sich verschiedene Erdenbürger gegenseitig erzählen – aus ihren eigenen einmaligen Blickwinkeln – vielleicht wachsen daraus Haltungen für eine “neue Welt”…

    Danke Irina, für dein Kommentar, ich finde, er ist eine schöne und gute Beschreibung über unsere ‘tezere’ als ergänzung zu den Beiträgen von Akrizano und Dietlinde.

  3. akrizano says:

    Ich mochte deinen Text UND deine Nussecken sehr gerne, Dietlinde! Und die Tortilla und den Tee und den Couscous und das indische Gebäck und die Tulumben und die Oliven…

    Und jetzt habe ich Irina’s Katzengeschichte verpasst.

    • Irina Berg says:

      Liebe Andelka,
      Es war eine Geschichte nicht von mir, es war eine der vielen Tiergeschichten von meinem Liebligsgeschichtenerzähler, Manfied Kyber: “Mutter”:
      Es ist eine kurze Geschichte von einer Katzenmutter im Wochenbett, die gerade die schönsten zwei Kinder geboren hat, in einem Heukorb in einer ärmlichen Dachkammer, wo sich sehr viel Krust befindet und noch mehr Mäuse.
      Die Katzenmutter verlässt ihre blinden schlafenden Katzenbabys, um auf Mäusejagt zu gehen, findet ein Nest mit zwei neugeborenen Mäusebabys, will diese gerade verspeisen als dann eine innere Stimme zu ihr spricht, es ist die Stimme der Mutterliebe, und eigentlich “redete in ihr die Alliebe”
      Darauf hin adoptiert sie die halbtoten Mäusekinder und zieht sie mit ihren eigenen auf. Weiter erzählt Kyber, dass so etwas “Widernatürliches” selten passiert, in der letzten Zeit jedoch immer öfter, und dass “die Gesetze der alten Welt stark und schwer sind, sie aber Stufe um Strufe überwunden werden, denn die Alliebe ist eine lebendige Kraft in der Seele dieser Erde”
      Da ich nie besonders religiös oder “esoterisch” war, halfen mir die Tiergeschichten von M.Kyber bei meiner eigenen “Kinderaufzucht”
      Erst jetzt, als Grossmutter merke ich, dass sich die Vorstellung von der Alliebe in den Haltungen meiner Kinder wieder spiegelt: sie sind keine “guten” Menschen geworden, aber wache, kluge, mutige, verantwortungsbewuste Erdenbürger, denen gewaltlose Kommunikation sehr wichtig ist und die Liebe zu anderen Wesen, die sie nicht immer mit Verstand begreifen, mehr am Herzen liegt, als Anhäufung materieller Güter, als Ausbeutung der Erde.
      Darauf bin ich stolz.
      Trotzdem ist mir bewusst, dass meine Kinder und Kindeskinder sich fragen werden, was sich ihre Ahnin dabei dachte, fühlte, erlebte, tat, nicht tat…als sie
      auf diesem Planeten unterwegs gewesen ist in einer Zeit, als die Menschen ihre Konflickte mit Gewalt ausfochten, Technologien nutzten, deren Folgen sie lediglich theoretisch wussten, wie zum Beispiel Atomkraft oder digitaler Terrorismus…
      Deshalb glaube ich, eine Atheistin, an die Notwendigkeit gewaltfreiher Kommunikation zwischen den Generationen und die eines “Quantensprungs”, eines Paradigmawechsels im Sinne von “die Gesetze der alten Welt sind stark und schwer; langsam, sehr langsam wird die neue Welt aus der alten geboren”
      Unsere “Tezere” ist womöglich eine Plattform für Geschichten, die sich verschiedene Erdenbürger gegenseitig erzählen – aus ihren eigenen einmaligen Blickwinkeln – vielleicht wachsen daraus Haltungen für eine “neue Welt”
      Deshalb habe ich die Kurzgeschichte von Manfed Kyper vorgelesen.
      Irina

      • akrizano says:

        …”deshalb glaube ich, eine Atheistin…” Was für ein bezaubernder Widerspruch, Irina! :-) und was für eine wunderbare Geschichte!

 

 

 

 

 

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